Motocross - Titel trotz Ausfall

Obwohl Etienne Bax/Nicolas Musset im ersten Lauf des finalen Grand Prix nicht die Zielflagge sahen, konnten sie sich danach vorzeitig als Weltmeister feiern lassen.

Satte 38 Punkte Vorsprung brachten Bax/Musset zum Finale im niederländischen Markelo mit. Eine anscheinend sichere Bank, zumal die sandige Piste eher den Tabellenführern entgegen kam. Doch „fix ist nix“, bevor nicht die Zielflagge geschwenkt wird. Und so mussten die bald in Führung gegangenen Favoriten im ersten Lauf plötzlich wieder um den Titel bangen, als ein simpler Kabelbruch die Zündelektrik lahmlegte. Doch ihre Verfolger Valentin Giraud/Elvijs Mucenieks waren weit davon entfernt, die Gunst der Stunde zu nutzen. Nach mäßigem Start konnten sie sich nicht aus dem Mittelfeld lösen und bewahrten bis kurz vor Rennende ihre hauchdünne und nur rein rechnerische Chance, den Spieß noch umdrehen zu können.

Auf den letzten Drücker zogen die Cermak-Brüder an Giraud vorbei und entschieden damit diese WM trotz des Ausfalls von Bax bereits in diesem Lauf. Der Niederländer hatte nämlich bereits 545 Punkte auf dem Konto. Sein französischer Verfolger konnte im zweiten Lauf nur mit einem Sieg gleichziehen, wenn Bax wiederum ausfiel. Da Giraud nur sieben Laufsiege gegenüber 13 von Bax vorzuweisen hatte, reichte ihm der Punktegleichstand allerdings nicht mehr zum Titel. Etienne Bax und Nicolas Musset konnten sich also bereits nach diesem ersten Lauf feiern lassen. Der französische Beifahrer bescherte dem französischen Motocross damit den ersten WM-Titel überhaupt.
Für Giraud/Mucenieks rückte jedoch plötzlich ein ohnehin latentes Schreckens-Szenario in den Vordergrund: Daniël Willemsen/Robbie Bax hatten im ersten Lauf die Führung von Bax übernommen und hatten sich damit wieder in Schlagdistanz gebracht.

Giraud musste mindestens auf Platz 14 fahren, um selbst bei einem weiteren Sieg des Multimeisters zumindest noch den Vizetitel zu retten. Willemsen gewann nach anfänglichem Geplänkel mit Bax abermals, Giraud/Mucenieks hatten als Achte ihre Silbermedaille sicher – für den Franzosen bereits die zweite nach 2015, für den Letten die erste.
Im Vierkampf um die folgenden WM-Ränge behielten Stuart Brown/Joe Millard trotz eines Crashs beim zweiten Start die Oberhand. Koen Hermans/Kenny van Gaalen konnten mit respektablen Leistungen Janis Daiders/Kaspars Stupelis vom fünften Rang verdrängen. Dagegen mussten Tomas und Ondrej Cermak zum Schluss eine Nullrunde hinnehmen. Mit einem starken Auftritt erkämpfte sich der auf Sandpisten immer schnelle Yongster Julian Veldman mit Ben van den Bogaart als Bootsmann den zweiten Tagesrang hinter den Doppelsieger Willemsen/R.Bax. Marvin Vanluchene/Patrick Schneider fuhren anfangs ebenfalls auf aussichtsreicher Position, stürzten auf einem tückischen Streckenabschnitt dann aber spektakulär. Auch im zweiten Lauf gingen sie kurz zu Boden und mussten sich nach vorne kämpfen.

Zu den Ausfallopfern gehörten im ersten Lauf mit Christophe und Maxime Cuche sowie Marco Heinzer/Martin Betschart auch zwei Schweizer Teams. Während die Erstgenannten zum zweiten Start nicht mehr antreten konnten, fuhr Heinzer, nachdem er in den Sturz mit Brown verwickelt war, noch auf den 15. Platz vor.
Besser hätte es gleichfalls für Andreas Clohse/Hantje van Hal laufen können, wenn den Deutschen Meister nicht wieder seine Knieprobleme eingebremst hätten. Im zweiten Durchgang musste das Duo zudem kurz in den Helferraum abbiegen. Marcus Prokesch/Patrick Schmidt kamen als Reservefahrer bereits im ersten Lauf zum Einsatz, mussten aber aufgeben, weil Schmidt Atemnot nach einem heftigen Stoß am Brustkorb hatte.

Über Punktezuwachs freuen konnten sich nach dem ersten Durchgang die Reimann-Brüder Joachim und Philipp sowie Sebastian Engelbrecht/Nick Maas. Dabei blieb es allerdings. Fahrer Reimann wurde im zweiten Lauf von einem Stein derart heftig an der Nase getroffen, dass er zunächst eine Weile benommen am Streckenrand liegenblieb. Diagnose: Nasenbeinbruch. Adrian Peter/Patrick Leskow schafften die Qualifikation nicht.

Beim Sidecarcross der Nationen im italienischen Cingoli wird Deutschland aus finanziellen Gründen definitiv nicht vertreten sein. Auch den Teams von Lettland und Estland ist der Weg gemessen an den in Aussicht gestellten Spesen zu weit. Für die Niederlande starten Bax/Musset, Willemsen/R.Bax, Hermans/van Gaalen, für England Brown/Millard, Wilkinson/D.Chamberlain, Kinge/Humphrey, für Belgien Vanluchene/van den Bogaart, Sanders/Soenens, Dierckens/Rostingt und für die Schweiz Bürgler/M.Betschart, Heinzer/Schelbert und Cuche/Cuche.

AK39/17: Fotos: AK, Kim Dinh, Ernst Betschart

Resultate

1. Lauf: 1. D.Willemsen/R.Bax (NL), WSP-Zabel. 2. Veldman/van den Bogaart (NL), WHT-Husqvarna. 3. Hermans/Van Gaalen (NL), VMC-Zabel. 4. J.Daiders/Stupelis (LV), VMC-Zabel. 5. Wilkinson/D. Chamberlain (GB), WSP-Zabel. 6. Brown/J. Millard (GB), WSP-Zabel. 7. Cermak/Cermak (CZ), WSP-Mega. 8. Giraud/Mucenieks (F/LV), WHT-AMS. 9. Dierckens/Rostingt (B/F), WSP-Zabel. 10. Varik/L.Daiders (EST/LV), WSP-KTM. 11. M.Keuben/Snell (NL/GB), VMC-Husqvarna. 12. Kunnas/Kunnas (FIN), WSP-KTM. 13. J.Keuben/Rietmann (NL), VMC-Zabel. 14. Sanders/Soenens (B), WSP-Zabel. 15. Clohse/van Hal (B/NL), WSP-Zabel. 16. Reimann/Reimann (D), WSP-Zabel. 17. Kinge/R. Humphrey (GB), VMC-Zabel. 18. Normak/Kasesalu (EST), WSP-Zabel. 19. Engelbrecht/Maas (D/NL), WHT-KTM. 20. Janssens/Janssens (B), VMC-Zabel.

2. Lauf: 1. D.Willemsen. 2. E.Bax/Musset (NL/F), WSP-Zabel. 3. Veldman. 4. Hermans. 5. Wilkinson. 6. J.Daiders. 7. Brown. 8. Giraud. 9. Dierckens. 10. Varik. 11. M.Keuben. 12. Sanders. 13. Kunnas. 14. Vanluchene/Schneider (B/A), VMC-Zabel. 15. Heinzer/M.Betschart (CH), VMC-KTM. 16. Auvray/Chopin (F), WSP-Zabel. 17. J.Keuben. 18. Kinge. 19. Janssens. 20. Clohse.

WM-Stand nach 18 Läufen: 1. E.Bax 567. 2. Giraud 533. 3. D.Willemsen 526. 4. Brown 395. 5. Hermans 391. 6. J.Daiders 387. 7. Cermak 375. 8. Wilkinson 322. 9. Vanluchene 314. 10. Veldman 296. 16. Clohse 128. 17. Cuche 122. 18. Bürgler 113. 24. Heinzer 50. 28. Senz 26. 30. Weiss 18. 35. T.Blank 13. 46. Battaglia 6. 49. Reimann 5. 50. Faustmann und Engelbrecht je 3. 56 Hofmann